|
Hunderttausende Jugendliche aus allen 5 Kontinenten folgten
der Einladung des Papstes zum Weltjugendtreffen. Aus der
Schweiz nahmen rund 1200 Jugendliche teil, davon 160 aus dem
Bistum Basel unter der Leitung von Weihbischof Martin Gächter.
Olivier Dinichert aus Rüfenacht führte Tagebuch.
Donnerstag, 14. August 1997
Für uns, 11 Jugendliche, begann das Weltjugendtreffen in
Strasbourg, wo wir in Familien lebten, um das Elsass besser
kennenzulernen; und dieses war wieder vermehrt vom Dialekt
geprägt: Der Pfarrer hiess uns auf Elsässerdiitsch in
Strasbourg willkommen, die Strassennamen waren zweisprachig,
die Bushaltestelle hiess Schnockeloch ... nur den Hans haben
wir auch in den folgenden Tagen nie angetroffen.
Freitag, 15. August 1997
Die heutige Messe zum Fest Maria Himmelfahrt war schlicht
und kurz, sie fand in einem fensterlosen Raum statt - wir
fühlten uns nicht nur wie im Gefängnis, wir befanden uns in
einem! Wir Schweizer waren eingeladen worden, die Messe im
Strassburger Gefängnis zu feiern und uns anschliessend mit
den Insassen beider Geschlechter zu Gesprächen zu treffen. So
beteten wir alle gemeinsam für unsere Reise: für die der
jungen Pilger nach Paris und für diejenige "de ceux qui
ont perdu leur liberté à travers le monde".
Sonntag, 17. August 1997
Grosse internationale Messe in der Kathedrale von
Strassburg mit über 2500 Gästen. Zu dritt trugen wir die
Schweizerfahne zur heiligen Maria von Europa, zusammen mit den
anderen ausländischen Delegationen vom Elsass. Weihbischof.
Hégélé erinnerte an die Geschichte der Stadt und ihrer
Kathedrale, an die Zeit der Kriege und an die vieler
Missionen, die von diesem Ort ausgegangen waren.
Montag, 18. August 1997
An diesem Tag reisten alle Teilnehmer aus der Provinz nach
Paris für die Fortsetzung der "Schi-Em-Schi" (JMJ:
Journées Mondiales de la Jeunesse). Wir wohnten zusammen mit
den elsässischen Jugendlichen im Vorstädtchen
Lagny-sur-Marne, welches eher an die Provinz als an das
Grossstädtchen Paris erinnerte. Untergebracht in einem Salle
des études verbrachten wir die Nächte wegen des warmen
Wetters auf dem Pausenplatz, quasi als Training für die
kommende Übernachtung auf der Pferdebahn von Longchamp.
Mittwoch, 20. August 1997
JMJ in Paris, die Stadt ist überfüllt mit Jugendlichen
unter dem Eiffelturm, auf den Champs-Elysées, beim
Sacré-Coeur, überall sind lachende, singende, tanzende
Jugendliche zu sehen, erkennbar am JMJ-Badge. Die Metrofahrten
ersetzen die Sauna, die Brunnenanlagen beim Trocadéro
gleichen trotz Badeverbot einer öffentlichen Badeanstalt.
Donnerstag, 21. August 1997
Heisst es in Paris normalerweise "Sehen und gesehen
werden", so dürfte das Motto der JMJ "Sehen und
Wiedersehen" lauten. So stand heute vormittag anstatt des
Besuchs der Katechese mit Vorträgen von Bischöfen ein
Wiedersehen mit einer französischen Brieffreundin auf dem
Programm.
Am späten Nachmittag empfing eine halbe Million Jugendliche
auf dem Marsfeld den Papst. Eingeteilt im zweithintersten
Sektor, konnten wir die Ankunft des Papstes anhand des
Lärmpegels der kreischenden Stimmen verfolgen.
Samstag, 23. August 1997
Nach einer 36 km langen Menschenkette rund um Paris begaben
wir uns auf die Pferderennbahn, um dort die Nacht zu
verbringen und am Sonntag an einem Freiluftgottesdienst mit
dem Papst teilzunehmen. Was sich in diesen 24 Stunden
abspielte, ist in wenigen Zeilen nur schwer wiederzugeben:
eine Openair-Übernachtung mit 750 000 Schlafenden, die Taufe
von 10 Jugendlichen durch den Papst, das Ave Maria, gesungen
vom italienischen Startenor Andrea Bocelli, ein berechnetes
Chaos von 1 m2 Schlafplatz pro Person, Rucksack inbegriffen.
Der Papst machte einen müden Eindruck und konnte sich nicht
durch die "Viva il Papa"-Schreie erwärmen. Doch der
Jubel war ihm gewiss, als er die nächsten Weltjugendtage
fürs Jahr 2000 in Rom ankündigte.
Oivier Dinichert |
|