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Alle verrückt nach Papa Wojtyla


BAsler Zeitung, 21. August 2000

Mit mehreren grossen Feiern hat Papst Johannes Paul II. am Stadtrand von Rom am Wochenende das Weltjugendtreffen beendet. Papa Wojtyla zeigte sich bei den Meetings vergnügt und verschmitzt wie nie.

Rom. R. A. «Alle verrückt nach Karol», titelte das Linksintellektuellen-Blatt «il manifesto» über seine Berichte zum Massenfest mit Papa Wojtyla am Wochenende auf einer Riesenwiese am Stadtrand von Rom. Über zwei Millionen «papa boys», so der in der vergangenen Woche immer mehr verbreitete Begriff, lagerten länger als 24 Stunden in unerträglicher Hitze, um am Samstag und Sonntag jeweils mehrstündige religiöse Feiern mit Papst Johannes Paul II. zu erleben. Das Meeting mit Übernachtung auf der Wiese bei der Universität Tor Vergata war Höhepunkt und Abschluss des knapp einwöchigen katholischen Weltjugendtages, dessen Zulauf auch optimistische Erwartungen übertroffen hat.

Gegen Vorschriften durchgesetzt

Die jungen Pilger hatten jegliche Strapazen auf sich genommen, um dem Kirchenoberhaupt nahe zu sein und ihm ungewöhnliche Ovationen zu bereiten. Aber dafür setzten sie sich auch souverän über eherne Verhaltensregeln hinweg. Die Hunderttausende, die durch die «Heilige Pforte» in den Petersdom drängten, setzten es gegen den Widerstand des zuständigen Kardinals und gegen mehrhundertjährige Tradition durch, dass ein weiteres Tor der katholischen Zentralkirche geöffnet wurde. Auch die strengen Kleidervorschriften, die lange Männerhosen und bedeckte Frauenschultern verlangen, hielten nicht lange stand.

Massenhaft strömten leichtbekleidete «ragazzi di Wojtyla», so noch ein beliebter Name für die jungen Pilger aus aller Welt, in den ehrwürdigen Dom, ohne dass dort der Heilige Petrus in seinem Grab rotierte. Folglich war auch der sonst so formbewusste Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi nicht mehr streng, als er eine grosse Gruppe in seinem Amtssitz auf dem Quirinalshügel empfing. Kurze Hosen, Sandalen, T-Shirts - das hatte es dort bislang nicht gegeben.

Der Name «papa boys» ist eine journalistische Fehlleistung, die missachtet, dass mindestens die Hälfte der Teilnehmer am Weltjugendtag weiblichen Geschlechtes ist. Die sonstigen Klagen über eine mindere Rolle von Frauen in der Kirche trübten die fast einwöchige religiöse Olympiade nicht, genau so wenig Beschwerden über rigide Sexualmoral, Zölibat, römischen Zentralismus und Machtausübung.

Johannes Paul II., der am Samstag und Sonntag auf einem gewaltigen 160 Meter langen Podium thronte, war vergnügt und verschmitzt wie nie. Immer wieder drückte und herzte er heftig in Grossvaterart junge Menschen, die irgendein Gebet, Lied oder Zeugnis vorgetragen hatten. Auch als eine junge Frau die wenig zimperliche vatikanische Sicherheit ausgetrickst hatte und weinend lange ihren Kopf an die päpstliche Wange drückte, reagierte er unbefangen.

Im Takt der Musik

Mal riss er die müden Arme hoch, um sie im Takt der Musik zu hin und her zu wiegen. Er zitierte ein polnisches Sprichwort, das er selber so übersetzte: «Wenn du mit Jugendlichen lebst, musst du selber Jugendlicher werden.» Er forderte seine Zuhörer auf, sich nicht zu «Instrumenten von Gewalt und Zerstörung» machen zu lassen. Sie sollten den Frieden und das Leben verteidigen, um die Erde «immer mehr bewohnbar für alle» zu machen. «Findet euch nicht ab», so Papa Wojtyla, «mit einer Welt, die menschlichen Wesen Nahrung, Bildung und Arbeit verweigert.» Zum Papst seien auch linke Jugendliche gegangen, hat ein Beobachter aus der autonomen Szene festgestellt. Er hat dies verständnisvoll mit einem «Bedürfnis der Identifikation mit irgendetwas» begründet und sarkastisch hinzugefügt: «Wohin sollten sie auch sonst gehen? Etwa zu einem Parteitag der Linksdemokraten?»

  

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last Update: 24.02.01