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Weltjugendtreffen in Rom
Ein Exklusivbericht von Olivier Dinichert für das Berner
"pfarrblatt"
Nachdem ich zweimal an einem Weltjugendtreffen teilgenommen hatte, bin ich dieses Jahr von der Schweizer Bischofskonferenz als Delegierter ans Internationale Jugendforum entsandt worden, das vor dem Weltjugendtreffen 350 Jugendliche aus 150 Ländern vereinte. Von meiner europäischen Arbeit mit Jugendräten her erwartete ich eine Konferenz über aktuelle, kirchenpolitische Fragen, denn schliesslich waren ja die meisten Jugendlichen auf nationaler Ebene aktiv. Doch die Ernüchterung folgte sehr schnell: es handelte sich um ein grosses Diskussionsforum mit noch grösserem Symbolgehalt, wo jeder und jede von persönlichen Erlebnissen berichten durfte - das Ganze angereichert mit einer Überdosis an Messen, Gebeten und Glaubensbekenntnissen religiöser Gruppierungen.
Im Gegensatz zu anderen Delegationen wollte ich auch diejenige Jugend vertreten, welche Kirchen nur noch von aussen kennt oder auch die Lockerung des Zölibats sowie die Einführung des Priesteramtes für Frauen fordert. Dies in der Hochburg des Katholizismus zu tun, und doch nicht zum enfant terrible zu werden glich einer "mission impossible"... Dennoch konnte ich meine Anliegen diplomatisch in einem Votum und besonders durch die Mitarbeit an der Schlusserklärung vermitteln. In dieser fordern wir die Jugendlichen auf, sich in den lokalen Kirchen zu engagieren, um sie so lebendiger zu machen und den lokalen Verhältnissen mehr angepasst. Nicht ohne Grund wurde dieser Abschnitt dann inoffiziell als derjenige des Bistums Basels bezeichnet... Viele Delegierte unterstützten mich in den sogenannten Korridorgesprächen, doch weil sie es nicht mit ihren Bischöfen verderben wollten, haben sie sich nicht im Plenum geäussert...
Während des Weltjugendtreffens besuchten wir drei Schweizer Delegierten jeweils auch die Schweizer Gruppen; die Deutschschweizer trafen wir bei Kardinal Schönborn an, der eine flammende Rede gegen Abtreibung und Homosexualität hielt und dafür von den mehrheitlich österreichischen Jugendlichen mit einer Standing ovation belohnt wurde. Die dringend notwendig gewordene Erholung erhielten wir anschliessend beim Treffen der Tessiner Jugendlichen mit Bischof Amadée Grab, der in sehr persönlicher und aufrichtiger Art auf die Anliegen einging.
Die Eröffnungsfeier auf dem St. Petersplatz oder die grossen Schlussveranstaltungen in Tor Vergata erlebte ich nun neu aus der Perspektive eines Forumsdelegierten, die gleichzusetzen ist mit derjenigen des Papstes, so nahe befanden wir uns bei ihm. Beim Abendgebet sass ich ganze vier Meter vom unbeschreiblich fröhlich und extrovertiert wirkenden Papst! Am Sonntag dann durfte ich, zusammen mit drei anderen Jugendlichen, vor einem Millionenpublikum "unsere" Schlusserklärung vorlesen und sie anschliessend dem Papst überreichen. Einem Papst, der trotz Krankheit und Alter eine unbeschreiblich grosse Energie für die Jugendlichen aufbringt, und den ich in Tor Vergata für seine menschlichen Qualitäten zu schätzen begonnen habe!
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