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«Ihr seid das Herz der Kirche»


NLZ-Ausgabe vom Montag, 21. August 2000

Rom: Singender Papst, tanzende Ordensfrauen und zwei Millionen Jungendliche am Weltjungendtag

Papst: «Ihr seid das Herz der Kirche»

Ein aufgestellter Papst, rockende Priester und zwei Millionen Jugendliche ­ das XV. Weltjugendtreffen stellte selbst Woodstock, das legendäre Musik-Festival, in den Schatten.

VON SABINE SEEGER-BAIER, ROM

Selten hat man Johannes Paul II. so guter Stimmung gesehen. Der achtzigjährige Papst schwang die Arme im Rhythmus der Gospels, klopfte im Takt der Lieder und überraschte die Jugendlichen mit spontanen Sprüchen. Zwei Millionen Jungpilger aus 160 Ländern sassen vor ihm. Sie lagerten auf dem 300 Hektaren grossen Campus des Universitätsgeländes Tor Vergata vor den Toren Roms. Im Lauf des Samstags waren sie hinausgezogen, hatten bis zu 12 Kilometer Fussmarsch zurückgelegt und in der sengenden Sonne ausgeharrt.

Das Thermometer zeigte 38 Grad im Schatten. Sonnenbrände, Schwindel, Übelkeit, Platzangst ­ die Helfer des Roten Kreuzes hatten alle Hände voll zu tun. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Als am Abend der Papst auf der von einem 36 Meter hohen Holzkreuz dominierten Tribüne erschien, da schallte es laut übers Gelände: «Viva il Papa!», ­ «Es lebe der Papst!»

Stimmen für Todeskandidaten

Folklore und Tänze begleiteten die Gebetswache, bei der junge Christen aus allen Winkeln der Welt zu Wort kamen. So berichtete der 25-jährige Angolaner Domingo Das Neves vom Tod seiner Eltern und seines ältesten Bruders. Sie wurden Opfer des Bürgerkriegs in seiner Heimat. Die Rumänin Maria Aurora Caca erzählte von ihren Erfahrungen als Christin der verfolgten Kirche. Durch die Italienerin Stefania Piretta, Kämpferin gegen die Kapitalstrafe, erhielten die Todeskandidaten von Texas und anderen US-Bundesstaaten eine Stimme.

«Ich danke euch für diesen Dialog», so der sichtlich bewegte Papst, bevor er seine «giovani amici», seine jungen Freunde, aufforderte, sich für den Frieden und den Kampf gegen Elend und Hunger einzusetzen. «Lasst euch nicht zu Instrumenten des Hasses machen!» Auch bei der Abschlussmesse gestern rief er ihnen zu: «Ihr seid das Herz der Kirche, die christlichen Zeugen am Morgen des dritten Jahrtausends. Geht hinaus in die Welt und bringt den Frieden!» Begeisterungsstürme unterbrachen den Oberhirten immer wieder.

«Und was machen wir jetzt?»

Er hörte genau auf das, was ihm aus der Masse entgegenschwoll und reagierte. «Ihr seid stark. Ihr unterbrecht mich. Ich hab wohl zu lange geredet», so scherzte er, als Jubel seine Rede unterbrach. Und als dann eine Pause im Programm entstand, da fragte er: «Und was machen wir jetzt?» Er blieb weit länger als vom Protokoll vorgesehen und verabschiedete sich kurz vor Mitternacht mit einem polnischen Sprichwort: «Wer mit den Jungen lebt, wird selber jung!»

Tor Vergata war ein Lichtermeer: Die Jugendlichen schwenkten kleine Tonlampen, wie sie frühe Christen in den Katakomben nutzten. Ein Feuerwerk erleuchtete den Himmel, bevor sich die Nacht über den Campus senkte. Aber von Ruhe konnte in diesen «unvergesslichen Stunden», wie einige der Teilnehmer meinten, keine Rede sein. Die Diskussionen, die Musik und Spiele in diesem Massenschlaflager unter den Sternen gingen weiter. Erst gegen fünf in der Früh kehrte Stille ein.

Singender Papst

Ein singender Papst, tanzende Ordensfrauen, rockende Priester und ein Meer von zwei Millionen Jugendlichen ­ dieses Weltjugendtreffen stellte selbst Woodstock, das legendäre Musik-Festival der Hippie-Generation, in den Schatten. Jimmy Hendrix und Santana brachten 1969 eine halbe Million auf die Beine. Tor Vergata war allerdings weniger «Woodstock der Kirche» als «Glaubensspektakel im Stil von Sister Act». «Kirche heute» ­ so der Mailänder «Corriere della Sera» ­ «heisst volle Plätze, leere Kirchen».

Im kanadischen Toronto wird sich die katholische Jugend 2002 zum XVII. Weltjugendtreffen zusammenfinden. Das verkündete Johannes Paul II. nach der Abschlussmesse, um dann in sieben Sprachen von seinen «jungen Freunden» und «Hoffnungsträgern seiner Kirche» Abschied zu nehmen: «Dear young people, good bye!»

 

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last Update: 24.02.01