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2 Mio. Jugendliche jubeln


NZZ Monatsarchiv
Neue Zürcher Zeitung AUSLAND Montag, 21.08.2000 Nr.193 5 

Zwei Millionen Jugendliche 
jubeln dem Papst zu

Messe zum Abschluss des 
Weltjugendtreffens in Rom

Das Weltjugendtreffen, das am Sonntag mit einer vom Papst zelebrierten Messe zu Ende ging, war für die katholische Kirche nicht nur ein Medienereignis, sondern zukunftsweisend. Jugendliche aus 160 Ländern sollen den Traum von einer besseren Welt verwirklichen. 

e. k. Rom, 20. August

«Vertrauensvoll blicke ich auf diese neue Menschheit, die auch durch euch im Kommen ist. Ich blicke auf diese Kirche, die sich durch den Geist Jesu Christi ständig verjüngt und sich heute über eure Vorsätze und euren Einsatz freut.» Diese Worte hat Johannes Paul II. den zwei Millionen Jugendlichen zugerufen, die sich am Sonntagmorgen zu einer Messe auf dem Campus des Universitätsgeländes Tor Vergata vor den Toren Roms versammelt hatten. Das 15. Weltjugendtreffen wurde zu einem Medienereignis ganz im Sinne des 80-jährigen Papstes, der die Möglichkeiten des Fernsehzeitalters bewusst zu nutzen weiss. Ihm gelingt es immer wieder, die Massen zu mobilisieren. Zweifellos war Johannes Paul II. der Star des Weltjugendtreffens. Schon bei der Eröffnung des Treffens am 15. August vor der Laterans-Basilika und anschliessend auf dem Petersplatz riss der Papst die Jugendlichen aus der ganzen Welt zu immer neuen Beifallsstürmen hin. Die jungen Pilger legten in Fussmärschen bis zu zwölf Kilometer zurück, um auf den Campus von Tor Vergata, zu gelangen, und das bei sengender Hitze zwischen 35 und 38 Grad.

Kritik von der linken Seite
Eine geschickte Regie liess vor allem die Gebetswache zu einem beeindruckenden Ereignis werden. Gebete, Folklore, Tänze und Feuerwerk, aber auch ergreifende Berichte, die von jungen Menschen aus allen Kontinenten der Welt vorgetragen wurden, hielten über Stunden hinweg die Aufmerksamkeit wach. So berichtete die Rumänin Aurora Caca von ihrem Leben als Christin in einer verfolgten Kirche, und der Angolaner Domingo Das Neves vom tragischen Tod seiner Eltern und seines Bruders während des Bürgerkriegs. Andere erzählten vom Kampf gegen die Todesstrafe in den USA und von der Gleichgültigkeit und dem Egoismus in der Welt.

Die italienischen Medien, die diesem Ereignis sehr viel Aufmerksamkeit und Raum widmeten, fragen sich, welche Auswirkungen das Weltjugendtreffen haben und was von ihm bleiben werde. Vor allem auf der linken Seite des politischen Spektrums sind kritische Stimmen zu hören. Nicht nur der Glaube, sondern auch der Sinn für Abenteuer und die Möglichkeit, preiswert eine Reise nach Rom zu unternehmen, hätten zum Erfolg des Treffens beigetragen, erklärte der Linksintellektuelle und Herausgeber der Zeitschrift «Micromega», Paolo Flores d'Arcais. Die linke Zeitung «Il Manifesto» ist der Ansicht, dass diese Massenversammlung das Scheitern der Politik Karol Woitylas zu verdecken drohe. An die Stelle Christi sei der grosse Medienstar Johannes Paul II. getreten.

Ein «Woodstock der Kirche»
Die begeisterten Sprechchöre der zwei Millionen Jugendlichen aus der ganzen Welt: «Viva il Papa!» und «We love you», zeigen, dass diese dem Papst folgen wollen, auch wenn sie die Regeln, die die Kirche ihnen auferlegen will, wie zum Beispiel die Unauflöslichkeit der Ehe und die Keuschheit vor der Ehe, nicht unbedingt ernst nehmen. Das Treffen in Rom war auch ein Ausdruck der Lebensfreude und der Ausgelassenheit, ein «Woodstock der Kirche» - eine Charakterisierung, gegen die sich der Vatikan natürlich wehrt. Für die Stadt Rom aber ist die perfekte Organisation dieses Massenereignisses, das ohne Zwischenfälle verlief und geradezu Modellcharakter hatte, eine gute Visitenkarte.

 

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last Update: 24.02.01