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Aus dem St.Galler Tagblatt vom 22.08.2000
Ostschweizer am katholischen Weltjugendtag in Rom
Georges Scherrer/Rom
Rom, das im August normalerweise wegen der ferienbedingten Abwesenheit seiner Einwohner leer wirkt, stand in den vergangenen Tagen Kopf. Nicht nur an den Massenveranstaltungen des 15. Weltjugendtages, sondern auch in den Strassen der italienischen Hauptstadt beherrschten Fahnen aus aller Herren Länder die Szene. Eben so bunt waren die Mützen, Tücher und Schirme, die Schutz vor der Sonne bieten. In grossen Gruppen zogen die Teilnehmer durch die Strassen, bevölkerten die Plätze, und verkündeten lautstark ihre Präsenz mit Sprechchören aller Art.
Hier «gut», Rom «gewaltig»
1,5 Millionen Jugendliche aus der ganzen Welt kamen zum katholischen Jugendtreffen, unter ihnen auch 1500 aus der Schweiz. Mit Schweizer Fahnen machten diese auf sich aufmerksam. Und weniger laut als die übrigen waren sie nicht. Animiert durch chilenische Sprechchöre, hatten sie ihren eigenen Spruch ausgetüftelt. Und der lautete: «Wir sind rot, wir sind weiss. Wir sind Jugend aus der Schweiz!» Ein Teil der Jugendlichen aus der Schweiz machte auch am kirchlichen Vorprogramm in Florenz mit, unter ihnen der 21-jährige Pirmin Loser aus Romanshorn. In Florenz, wo 1200 Jugendliche aus aller Welt in kleinerem Rahmen zusammenkamen, herrschte eine «gute Stimmung» - in Rom dagegen war sie «gewaltig». Für Pirmin ist klar, dass sich niemand ohne einen persönlichen Glauben an diesem Treffen beteiligte: «Es kommt niemand zum Papst, ohne an die Botschaft der Kirche zu glauben.»
Singen, tanzen, diskutieren
Aus dem St. Galler Rheintal stammt Roman Schildknecht, 19-jährig. Von Kollegen dazu überredet, reiste auch er nach Rom. Sein Kommentar: «Die Stimmung war super: Singen, tanzen, diskutieren - das ist es!» Und singen konnte er selbst, zum Beispiel den Ohrwurm «L'Emmanuel», wie die offizielle Hymne des Weltjugendtags in Rom hiess. Verglichen mit anderen grossen Treffen von Jugendlichen wie etwa Rockkonzerten war die Stimmung in Rom «absolut positiv», fand Martin Schildknecht aus St. Gallen, und sie übertrug sich auf alle Beteiligten. Sie waren alle «glücklich, zufrieden und aufgestellt». Auch er wollte «singen, wo ich nur kann, und mit den Menschen reden». Zeit zum Plaudern hatte man an dem Treffen mehr als genug. Die Wartezeiten waren oft sehr lang, die Kolonnen von Jugendlichen, die singend und betend durch die Heilige Pforte in den Petersdom eintreten wollten, schier endlos. Der Vorteil: Man nutzte die Zeit auch für Gespräche mit Leuten von der Gruppe nebenan. Lange Wartezeiten gab es auch vor den Massenveranstaltungen, wie zum Beispiel am Dienstagabend bei der Eröffnung des Treffens mit dem Papst auf dem Petersplatz, der sich für einige Stunden in einen brodelnden Hexenkessel verwandelte. Das alles durchzustehen, stellte eine bemerkenswerte physische Leistung dar. Und die Fussmärsche der «pilgernden Jugend», sagte Papst Johannes Paul II., von einem Ereignisort zum nächsten, seien lang.
Liebe, Leben, Gott
In einer Gruppe von Innerschweizern marschierten gleich drei Leute aus Arbon mit. Die 21-jährige Claudia fand es «super lässig», dass Menschen aus aller Welt «mit dem gleichen Ziel» eine derartige Gemeinschaft bilden können. Auch Daniel Wendel (17) war von der «guten Gemeinschaft» angetan. Es sei «wunderbar» gewesen, die Menschen waren fröhlich - und «irgendwie kannten wir uns alle». Mit nach Hause nahm er die Stichworte «Liebe und Leben», und er hofft, dass ihm das Treffen eine «noch bessere Bindung zu Gott geben wird». Einen Höhepunkt am Treffen konnte Philipp Loepfe (17) nicht nennen. Der Arboner - auch er ständig unterwegs - fand alles «super organisiert». Die Stadt Rom habe sehr viel unternommen, um das Treffen ordentlich zu gestalten. «Wir wurden abgespritzt, während wir auf den Plätzen warteten», sagte Philipp dankbar, während ein Polizeihelikopter lärmend über der Menge schwebte.
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